Kreativität entsteht aus Spannung, aus Energie, aus Störungen, vor allem auch aus Leidenschaft. Aber wieviel Spannung erträgt der Mensch gerade, um der Kreativität Raum zu geben? Auch im Vertrauten prallen plötzlich Welten aufeinander: Die einen tun, als laufe für sie alles super weiter und schon in Mai werde man alles vergessen haben. Die anderen kämpfen um ihre Existenz oder im Spagat zwischen Homeschooling und Office. Wir kaufen bei Aziz im Kiosk, der tapfer öffnet, erkundigen uns, ob der Fensterputzer noch genug Aufträge hat, holen den Besuch im Charivari-Puppentheater über Youtube nach und ich freue mich, dass die Friseure Lydia und Martin sogar fragen, ob sie für blonde Strähnen vielleicht Farbe vor die Tür stellen sollen.

Wie wird das Konstruktive konkrete Zukunft?

Mit eindimensionalen Antworten werden keine komplexen Aufgaben gelöst. Können wir inmitten von harten Zahlen des exponentiellen Wachstums an visionäre Weltverbesserung denken?

Natürlich, ganz pragmatisch! Stück für Stück. Hunderte stehen spontan nach dem Aufruf zur Blutspende bereit, in der Nachbarschaftshilfe gibt es anscheinend mehr Angebote als Nachfrage. Matheformeln und Faktencheck können täglich trainiert werden.

Eine starke Unternehmenskultur macht allen Beteiligten nicht nur mehr Freude, sondern bringt mehr Leichtigkeit in die Zusammenarbeit.

Gute Zusammenarbeit scheitert nicht am Online-Meeting, an Videokonferenzen oder am mobilen Arbeiten. Gute Zusammenarbeit zeigt sich im Büro genauso wie online als Teil einer lebendigen Unternehmenskultur. Ein Videoknigge kann Formalitäten regeln. Das Spürbare für Kolleginnen und Geschäftspartner zeigt sich anders: Zuhören, anschauen, verstehen wollen, offen sein, und als Voraussetzung vor allem: Vertrauen. Die gemeinsamen Werte und Regeln, die Haltung, Respekt und Wertschätzung – dies alles zeigt sich im Handeln. Natürlich braucht es auch persönliche Treffen und nichts geht über die Intensität, die spürbare Energie. Aber die Haltung spüre ich am Telefon genauso wie online oder persönlich. Räumt jemand gerade seinen Schreibtisch auf während er mit dem Gegenüber telefoniert? Werden parallel E-Mails gecheckt? Ist die ganze Aufmerksamkeit im Videomeeting da?

Heute schon geblinkt?

Kommunikation ist so wichtig, um Konsens über diese gemeinsame Kultur zu erzielen, aber auch, um diesen Konsens immer wieder zu überprüfen.

Sonst ist es wie mit dem Blinken. Haben Sie in letzter Zeit mal geblinkt? Irgendwann im Januar habe ich mich gefragt, ob das Blinken im Straßenverkehr zu einem überflüssigen Kommunikationsmittel geworden ist?

Wenn sich im Unternehmen oder in einer Organisation eine informelle Ebene aufbaut, kann das zu Gerüchten und schlechter Stimmung führen, Zeit und Kosten verursachen oder sogar gefährden.

In einem Unternehmen oder in einer Organisation ist der Konsens darüber, was eine Unternehmenskultur ausmacht, ein großer Wert, der sich bezahlt macht. Dafür ist Vertrauen für größter Bedeutung. Menschen erleben viele kleine Dinge des Alltags als nicht mehr verlässlich – Höflichkeit, Verkehrsregeln, Umweltschutz, Ernährung. Umso größer ist die Sehnsucht danach, vertrauen zu können.

Vertrauen macht alles leichter

Die Definition des Soziologen Niklas Luhmann ist ja zum Allgemeingut geworden: Vertrauen reduziert soziale Komplexität oder ganz nach dem Bonmot: Ohne Vertrauen brauche ich morgens erst gar nicht aufzustehen. Schließlich kann nicht jeder auch Experte für Handwerk, Statistik, Medizin, Politik, Wirtschaft und Mobilität sein. Das Vertrauen in die Kompetenz von Experten hat – auch aufgrund der Transparenz und Selbstkritik – in diesen Wochen zu großer Besonnenheit geführt. Jetzt ist eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass komplexe Sachverhalte nicht schwarz oder weiß sind, sondern den klugen Diskurs aus verschiedenen Blickwinkeln benötigen. Statt Gesundheit und Ökonomie als Gegenspieler zu betrachten, können Zukunftsszenarien mit einer vielfältig zusammengesetzten Kommission entworfen werden – aus Medizinern wie Virologen und Epidemiologen, Psychologen, Soziologen, Sozialarbeitern, Pflegekräften aus Krankenhaus, Hospiz, Heimen, Ökonomen, Selbständigen und Unternehmern, Vertretern von kranken oder behinderten Menschen und vielen weiteren Praxis- und Theorieerfahrenen.

Hoffentlich wird die Glaubwürdigkeit, die Experten gewonnen haben, die rechten Populisten zurückdrängen. Hoffentlich gilt das Vertrauen gutem Journalismus, geprüften Fakten, verschiedenen Experten-Meinungen, dem Diskus – damit wir in Zukunft keine Angst haben, rechtzeitig blinde Flecken zu entdecken, und Risikoszenarien ebenso mutig wie neue Zukünfte zu entwickeln.

Lesetipp

Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse von Nassim Nicholas Taleb. Die Welt ist überraschend und manche Ereignisse sind nahezu unberechenbar. Auch was nie passieren dürfte, passiert.

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